Microsoft Authentifikator als Standard und 2 stellige Nummerneingabe erzwingen

Microsoft Authenticator als Standard festlegen.pdf

Was du damit schon richtig gemacht hast

Das ist ein guter Basisschutz – aber: Gegen die von dir beschriebenen „SharePoint-Download“-Phishing-Seiten (AiTM/MFA-Phishing) ist das nicht ausreichend, weil Angreifer trotzdem in Echtzeit die Anmeldung + MFA „durchreichen“ und ggf. Session-Tokens abgreifen können.

Nächster Schritt: OTP-Fallback bewusst entscheiden

In deinem Screenshot sehe ich „OTP zulassen“ (das ist der „Code anzeigen“-Fallback in Authenticator).

Wichtig: Wenn du OTP deaktivierst, stelle sicher, dass du mindestens einen sauberen Wiederherstellungs-/Notfallpfad hast (z. B. Temporary Access Pass, zusätzlicher zweiter Faktor, Break-Glass-Konten).

Der wirksamste Hebel gegen eure SharePoint-MFA-Phishing-Welle

1) Conditional Access: Authentifizierungsstärke „Phishing-resistent“ für SharePoint/Office

Setze für SharePoint Online / Office 365 eine CA-Richtlinie, die nicht nur „MFA“, sondern eine phishing-resistente Authentifizierung verlangt (z. B. Windows Hello for Business oder FIDO2 Security Key).
Damit brichst du genau das Angriffsmuster, bei dem die Phishing-Seite MFA „mit abfragt“.

Pfad: Microsoft Entra Admin Center → SchutzBedingter ZugriffRichtlinien

2) Conditional Access: Zugriff nur von „verwalteten“ Geräten (optional, sehr effektiv)

Wenn ihr Intune/Managed Devices habt: für SharePoint/Office im Browser zusätzlich

3) Defender for Office 365: Safe Links (falls lizenziert)

Da eure Angriffe über „Downloadangebote“ kommen: Safe Links ist der praktische Schutzhebel im Mail-/Link-Kanal (Links werden beim Klicken geprüft/umgeschrieben).

Quick-Check zu deiner aktuellen Konfiguration

Wenn du das noch nicht gemacht hast, prüfe zusätzlich in Entra:

Wenn du mir sagst, ob ihr Entra ID P1/P2 und/oder Intune habt, kann ich dir eine konkrete Zielkonfiguration skizzieren (Pilotgruppen, genaue CA-Policy-Settings, sinnvolle Ausnahmen), die genau auf euren „SharePoint-Phishing“-Use-Case zielt.

Break-Glass: 1–2 Notfallkonten, sauber dokumentiert, mit separatem Schutz (keine alltägliche Nutzung), und in CA-Policies korrekt ausgeschlossen. Erkläre bitte detailliert!

Break-Glass- bzw. Notfallkonten (Microsoft nennt sie „Emergency access accounts“) sind separat angelegte Global-Admin-Konten, die du nur nutzt, wenn du dich durch eine Fehlkonfiguration (z. B. Conditional Access) oder einen externen Ausfall sonst aus dem Tenant aussperrst. Microsoft empfiehlt dafür mindestens zwei solche Konten. Microsoft Learn

Unten ist ein praxistaugliches, detailliertes Setup, das sowohl Lockout-Risiken minimiert als auch Sicherheitsanforderungen berücksichtigt.


1) Ziele und Grundregeln

Warum überhaupt Break-Glass?

Typische Notfälle:

Grundregeln


2) Empfohlenes Kontodesign (2 Konten mit unterschiedlichen Eigenschaften)

Ich empfehle dieses Dual-Design:

Konto BG-01 „Maximum Availability“ (reiner Notfallzugang)

Konto BG-02 „Secure Admin Fallback“ (Notfall + Test + „Portal-MFA“-Realität abfangen)

Microsoft betont: Notfallkonten sollen nicht denselben Mechanismus/Abhängigkeiten haben wie normale Admin-Konten und du sollst sie gezielt verwalten. Microsoft Learn


3) Schritt-für-Schritt Umsetzung

Schritt 1: Konten anlegen

Microsoft Entra Admin CenterIdentitätBenutzerAlle BenutzerNeuer Benutzer erstellen

Schritt 2: Rollen zuweisen (Globaler Administrator)

Microsoft Entra Admin CenterIdentitätRollen & AdministratorenGlobaler AdministratorZuweisungen

Schritt 3: Von Conditional Access ausschließen (entscheidend)

Für jede CA-Richtlinie:
Microsoft Entra Admin CenterSchutzBedingter ZugriffRichtlinien → Richtlinie öffnen

Microsoft nennt das explizit als Best Practice: Break-Glass/Emergency Accounts von CA-Policies ausnehmen, um Lockout durch Fehlkonfiguration zu verhindern. Microsoft Learn

Wichtig: Das gilt auch für Microsoft-verwaltete Conditional-Access-Richtlinien – auch dort sollst du Break-Glass-Konten ausschließen. Microsoft Learn
Und: Microsoft weist darauf hin, dass diese Exclusion-Liste regelmäßig zu auditieren ist. Microsoft Learn

Schritt 4: Monitoring/Alarmierung festlegen (Pflicht)

Mindestens:

Microsoft fordert, diese Konten eng zu überwachen und Nutzung auf echte Notfälle zu beschränken. Microsoft Learn

Schritt 5: Sichere Aufbewahrung + Zugriffskontrolle


4) Betrieb: Tests, Runbook, Audit

Regelmäßiger Test

Incident-Runbook bei echter Nutzung

Wenn BG-Konto benutzt wurde:

  1. Grund identifizieren (welche Policy/Änderung hat ausgesperrt?)

  2. Sofortige Korrektur (Policy zurückrollen/fixen)

  3. BG-Konto wieder „weglegen“

  4. Review: Warum kam es dazu? Welche Guardrails fehlen?

Audit der Exclusions


5) Typische Fehler, die ich in der Praxis sehe


Wenn du mir sagst, ob ihr Entra ID P1/P2 habt und ob ihr Microsoft Sentinel/Log Analytics nutzt, kann ich dir auch ein konkretes Monitoring-Pattern geben (welche Log-Abfrage/Alarm-Logik sinnvoll ist) und eine Checkliste, wie du die CA-Exclusions revisionssicher dokumentierst.

Entra ID P1

Alles klar – mit Entra ID P1 hast du die wichtigste Grundlage: Bedingter Zugriff (Conditional Access). Was dir im Vergleich zu P2 fehlt, ist vor allem PIM (Privileged Identity Management) und risikobasierte Policies (Identity Protection). Break-Glass funktioniert aber auch mit P1 sehr gut, wenn du es sauber aufsetzt.

Zielbild für Break-Glass mit Entra ID P1

Du brauchst mindestens 2 Notfallkonten:

  1. BG-01 (Maximum Availability)

    • Soll immer funktionieren – auch wenn MFA/Authenticator/Telefonie kaputt ist.

    • Typisch: Passwort-only, extrem stark, streng verwahrt, überall von CA ausgeschlossen.

  2. BG-02 (Secure Fallback / Testkonto)

    • Für regelmäßige Funktionstests und “sicherer” Notfallzugang (z. B. mit FIDO2/Passkey registriert).

    • Ebenfalls von CA ausgeschlossen, aber du nutzt es im Notfall bevorzugt, wenn alles normal läuft.

Der Gedanke dahinter: Ein Konto maximiert Verfügbarkeit, das andere maximiert Sicherheit – und du hast Redundanz.


Schritt-für-Schritt Setup

1) Konten anlegen (Cloud-only)

Microsoft Entra Admin CenterIdentitätBenutzerAlle BenutzerNeuer Benutzer

Empfehlungen:

2) Rollen zuweisen (Globaler Administrator)

Microsoft Entra Admin CenterIdentitätRollen & AdministratorenGlobaler AdministratorZuweisungen → Benutzer hinzufügen

Mit P1 ist das eine permanente Rollenzuweisung (kein PIM). Umso wichtiger: keine Alltagsnutzung + starke Kontrollen.

3) Von allen Conditional-Access-Richtlinien ausschließen (kritisch)

Für jede CA-Richtlinie:

Microsoft Entra Admin CenterSchutzBedingter ZugriffRichtlinien → Richtlinie öffnen

Wichtig:

4) Passwörter und Aufbewahrung (operativ entscheidend)

Für BG-01 und BG-02:

Kennwortablauf:
Wenn eure Policy regelmäßige Passwortwechsel erzwingt: okay, dann muss das im Runbook drin sein (und der Tresor aktuell gehalten werden). Wenn möglich, für Notfallkonten “vernünftig” lösen: sehr starkes Passwort + Rotation nach Nutzung/Incident.

5) MFA-Strategie für Break-Glass (realistisch und praxistauglich)

Hier gibt es zwei legitime Varianten:

Variante A (empfohlen, weil ausfallsicher):

Hinweis: Wenn du MFA erzwingen willst, machst du das normalerweise über CA – aber Break-Glass ist ja ausgeschlossen. Deshalb ist die gängige Praxis: ein Konto ohne MFA-Pflicht, dafür extrem streng überwacht.

6) “Security Defaults” prüfen (sonst beißt sich das)

Wenn Sicherheitsstandards aktiv sind, erzwingen sie MFA breit und du kannst Break-Glass nicht sauber ausnehmen.

Prüfen:
Microsoft Entra Admin CenterIdentitätÜbersichtEigenschaftenSicherheitsstandards verwalten


Monitoring und Alarmierung (Pflicht, gerade weil CA ausgeschlossen)

Mit P1 hast du standardmäßig die Anmeldeprotokolle. Das Minimum ist:

A) Sofortige Regel: Jeder Break-Glass-Login = Incident/Change

B) Umsetzungsmöglichkeiten

  1. Manuell (Minimum)
    Microsoft Entra Admin CenterÜberwachungAnmeldeprotokolle
    Filter nach BG-01/BG-02 und regelmäßig prüfen.

  2. Sauber (empfohlen): Azure Monitor / Log Analytics Alert

    • Entra Sign-in Logs in Log Analytics (Workspace) exportieren

    • Alert-Regel: „Wenn UserPrincipalName == BG-01 oder BG-02 und Status == Erfolg/Fehler → E-Mail/Teams/Webhook“

Beispiel-KQL (für den Alert), damit du eine Vorstellung hast:

SigninLogs | where UserPrincipalName in ("bg-01@deinedomain.tld","bg-02@deinedomain.tld") | where ResultType == 0 or ResultType != 0 | project TimeGenerated, UserPrincipalName, AppDisplayName, IPAddress, ClientAppUsed, ResultDescription


Runbook: Was passiert, wenn Break-Glass genutzt wurde?

Wenn BG benutzt wurde (egal ob Test oder Notfall), standardisiere:

  1. Ticket/Change anlegen (Begründung, Zeitpunkt, wer)

  2. Ursache beheben (z. B. CA-Policy zurückrollen/fixen)

  3. Passwort sofort rotieren und Tresor aktualisieren

  4. Sign-in Logs prüfen (IP, Land, App, Zeit)

  5. Falls Verdacht auf Kompromittierung: zusätzliche Maßnahmen (Sessions widerrufen, weitere Admin-Konten prüfen)


Checkliste zum Abschluss (P1-tauglich)


Wenn du willst, beschreib kurz eure aktuelle CA-Struktur (z. B. “MFA für alle”, “Block legacy auth”, “nur compliant devices”), dann kann ich dir eine konkrete Empfehlung geben, wo genau du die Break-Glass-Exclusions am häufigsten vergisst und wie du das auditierbar machst.


Revision #2
Created 30 December 2025 09:31:50 by Ahorn
Updated 30 December 2025 09:42:08 by Ahorn